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Nomen est omen: Arbeitsecke ist kein Arbeitszimmer

News   •   Mär 04, 2016 08:30 CET

Nahezu ausschließliche betriebliche oder berufliche Nutzung eines Arbeitszimmers notwendig

Arbeitszimmer in der privaten Wohnung bieten immer wieder Streitpunkte mit dem Finanzamt. Sollen die Aufwendungen für das Arbeitszimmer teilweise oder ganz steuermindernd als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend gemacht werden, ist immer ein separater Raum notwendig, der (nahezu) ausschließlich betrieblich oder beruflich genutzt wird. Diese Aussage bestätigte der Große Senat des Bundesfinanzhofes in einem aktuellen Urteil. Damit ist jeder denkbaren Mehrfachnutzung eines Raumes eine klare Absage erteilt worden. Weder anteilige Aufwendungen für z. B. das kombinierte Arbeits-/ Gästezimmer sind steuerlich abzugsfähig noch die Arbeitsecke im Wohn- oder Schlafzimmer.

Doch auch wenn der separate Raum tatsächlich (fast) ausschließlich betrieblich oder beruflich genutzt wird, werden die Aufwendungen für ein Arbeitszimmer, wie Miete, Strom, Wärme und Wasser, aber auch die Ausstattung des Zimmers mit Teppichen, Gardinen und Lampen nicht in jedem Fall anerkannt. Da der Raum sich im privaten Bereich des Steuerpflichtigen befindet, sind die Aufwendungen von einer Anerkennung als Betriebsausgabe oder Werbungskosten zunächst ausgeschlossen.

Vom Abzugsverbot gibt es jedoch zwei Ausnahmen:

  1. Steht dem Unternehmer bzw. Selbständigen oder Arbeitnehmer kein anderer Arbeitsplatz für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit zur Verfügung, so dürfen Aufwendungen bis maximal 1.250 Euro als Betriebsausgaben oder Werbungskosten in Ansatz gebracht werden.
  2. Diese Einschränkung auf maximal 1.250 Euro gilt jedoch nicht, wenn das Arbeitszimmer den (fast ausschließlichen) Mittelpunkt der Tätigkeit bildet, wie es im Home Office oder bei Telearbeit oft gegeben ist. In diesem Fall dürfen die Aufwendungen für das Arbeitszimmer uneingeschränkt als Betriebsausgabe bzw. Werbungskosten geltend gemacht werden.

Für die Einschätzung, ob das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit bildet, ist die Tätigkeit im Arbeitszimmer in ihrer quantitativen und qualitativen Hinsicht zu beurteilen. Wird die Tätigkeit bei einem 100%-igen Homeoffice im Arbeitszimmer erbracht, so ist der Mittelpunkt bereits über den quantitativen Aspekt bestätigt. Auch wenn die Arbeitszeit durch Außendienst und Kundenbetreuung nicht überwiegend im Arbeitszimmer verbracht wird, kann es der Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit sein: nämlich wenn die Tätigkeit im Arbeitszimmer in qualitativer Hinsicht den bedeutenden Anteil an der ausgeübten Tätigkeit darstellt. 

Beispiel: Das Arbeitszimmer eines Ingenieurs wurde in voller Höhe anerkannt, obwohl sein Aufgabengebiet auch den Außendienst umfasste, da die wertvollere Arbeit des Ingenieurs – die Erarbeitung theoretischer, komplexer Problemlösungen – im Arbeitszimmer erbracht wurde.

Wird das Arbeitszimmer für mehrere berufliche Tätigkeiten genutzt, so sind die Kosten des Arbeitszimmers im Verhältnis der Nutzung den Tätigkeiten zuzuordnen. Danach erfolgt die Einstufung in nicht abzugsfähig, bis 1.250 Euro abzugsfähig und vollständig abzugsfähig.

Wenn Sie Sich nicht sicher sind, ob und in welcher Höhe Ihr Arbeitszimmer steuerlich angesetzt werden kann, sprechen Sie uns gerne an. Wir beraten Sie gern.

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