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Liebhaberei kann teuer werden

News   •   Sep 13, 2017 08:52 CEST

Im Wirtschaftsleben liegen Erfolg und Misserfolg dicht beieinander. Gewinne besteuert der Staat als eine Art stiller Teilhaber immer gern. Doch wie sieht es im Verlustfall aus? In den ersten Jahren werden Anlaufverluste vom Finanzamt meist problemlos anerkannt. Die Verluste können dann auf die Folgejahre vorgetragen oder mit anderen Einkünften (bspw. aus der Tätigkeit des Ehegatten) verrechnet werden.

Keine Verlustverrechnung bei Liebhaberei

Verluste dürfen sich steuerlich aber nicht auswirken, wenn es sich um sogenannte Liebhaberei handelt. Dies gilt insbesondere dann, wenn die unternehmerische Tätigkeit als privates Hobby aufgefasst werden kann. Um festzustellen, ob es sich um Liebhaberei handelt, erstellt das Finanzamt eine Totalgewinnprognose. Dabei prüft es, ob die Tätigkeit überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann. Ist dies nicht der Fall, liegt Liebhaberei vor. Die durch die Tätigkeit erzielten Verluste können dann nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden.

Stille Reserven müssen nicht sofort versteuert werden

Nimmt das Finanzamt Liebhaberei an, muss es die bisher im Unternehmen erwirtschafteten stillen Reserven oder Lasten der Wirtschaftsgüter in einem gesonderten Verfahren feststellen. Ermittelte der Unternehmer bis dahin seinen Gewinn durch Überschussrechnung, muss er nun zur Bilanzierung wechseln. Daraus kann sich ein zusätzlicher Überleitungsverlust ergeben, wenn beispielsweise hohe Außenstände als Verbindlichkeiten bilanziert werden müssen. Sowohl der Überleitungsverlust als auch ein (Aufgabe)Verlust aus stillen Lasten ist letztmalig zum Zeitpunkt der Feststellung der Liebhaberei abzugsfähig. Alle weiteren Verluste sind privat veranlasst und damit steuerlich nicht relevant.

Wurden im gesonderten Feststellungverfahren stille Reserven festgestellt oder ergeben sich aus der Überleitungsrechnung Gewinne, müssen diese erst versteuert werden, wenn der Liebhabereibetrieb eingestellt wird. Wichtig ist auch zu wissen, dass die festgestellte Liebhaberei nicht von der Umsatzsteuerpflicht entbindet. Ist der Unternehmer kein Kleinunternehmer, muss er auch für den Liebhabereibetrieb mit Umsatzsteuer abrechnen.

Hinweis

Vermutet das Finanzamt von Beginn an, dass die Tätigkeit nicht wirtschaftlich betrieben werden kann, ergehen Steuerbescheide in der Regel vorläufig. Ergeben sich dann über einige Jahre nur Verluste, können alle vorläufig ergangenen Bescheide rückwirkend geändert und die Verluste aberkannt werden. Wurden diese Verluste bereits mit anderen Einkünften verrechnet, kann es zu erheblichen Steuernachzahlungen und Zinsen in Höhe von 6 % pro Jahr kommen.

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