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Häusliches Arbeitszimmer / HomeOffice....die Finanzverwaltung berücksichtigt die neue Rechtsprechung:

News   •   Sep 07, 2018 08:30 CEST

Häusliches Arbeitszimmer - HomeOffice

Überarbeitetes BMF-Schreiben

Der Bundesfinanzhof  hat in der Vergangenheit einige wichtige Entscheidungen für die einkommensteuerliche Berücksichtigung von häuslichen Arbeitszimmern getroffen.

Mit Schreiben vom 06.10.2017 hat das BMF (Bundesminesterium der Finanzen) auf diese Rechtsprechung reagiert und den bisherigen Anwendungserlass umfassend überarbeitet. Das neue Schreiben ersetzt das bisherige Schreiben 02.03.2011 und ist in allen offenen Fällen ab dem VZ 2007 anwendbar.

Die nachfolgende Übersicht stellt die neu eingearbeitete Rechtsprechung dar:

  • Rz. 1: Es bestehen keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Höchstbetragsbegrenzung von 1.250 Euro. Dieser Höchstbetrag ist personenbezogen. Bei mehreren Arbeitszimmern ist er insgesamt nur einmal zu gewähren und ggf. auf unterschiedliche Tätigkeiten aufzuteilen.
  • Rz. 3: Eine räumlich nicht abgetrennte Arbeitsecke ist kein häusliches Arbeitszimmer.             ⚠ Daher sind die anteilige Raumkosten, wie Miete, Strom, Heizung etc. nicht abzugsfähig. Einzelne Aufwendungen für Arbeitsmittel, wie Laptop, Schreibtisch oder ggf. Leselampe sind davon unabhängig als Arbeitsmittel berücksichtigungsfähig).
  • Rz. 4: Anteilige Kosten für die Küche, Bad und Flur können nicht geltend gemacht werden, da diese Räume zu einem erheblichen Teil privat genutzt werden.
  • Rz. 5: Betriebs-, Lager und Ausstellungsräume sind nach wie vor keine häuslichen Arbeitszimmer und können voll steuerlich geltend gemacht werden. Eine untergeordnete private Mitbenutzung solcher Räume ist unschädlich.

Die Beispiele für typische häusliche Arbeitszimmer wurden ergänzt um:

❗Telearbeitsplatz

❗die Abgrenzung des unbestimmten Rechtsbegriffs „häuslich“: Räume im Einfamilienhaus, die nur dem Steuerpflichtigen zugänglich sind, können häusliche Arbeitszimmer sein.

  • Rz. 6: Als Kosten für ein Arbeitszimmer werden erstmals auch Tapeten, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen genannt. (Hinweis: Schreibtischlampen können ggf. Arbeitsmittel sein. Vorteil: Keine Deckelung durch den Höchstbetrag!)
  • Rz. 6a: Zur Kostenaufteilung ist die Fläche des Arbeitszimmers mit der gesamten Wohnfläche nach der Wohnflächenverordnung vom 25.11.2003 ins Verhältnis zu setzen. Zubehörräume zählen grundsätzlich nicht zur Wohnfläche.

    Entscheidend ist laut BFH-Urteil vom 11.11.2014 die Aufteilung in Haupt- und Nebenräume. Beispielsweise ist ein Keller dann kein Nebenraum, wenn er seiner Funktion nach dem Wohnen dient. Zur Abgrenzung sind die folgenden Kriterien relevant:
    • Zum dauernden Aufenthalt von Menschen tatsächlich geeignet und bestimmt
    • Dem Standard eines Wohnraumes und nicht dem eines Zubehörraumes vergleichbar und
    • Ausstattung (Wand- und Bodenbelag, Beheizbarkeit, Einrichtung mit Mobiliar)
    • Lage (unmittelbare Verbindung zu den übrigen Wohnräumen)
    • Bauliche Beschaffenheit (z. B. Vorhandensein von Fenstern)

Hinweis

❗Werden Nebenräume betrieblich oder beruflich als häusliches Arbeitszimmer genutzt, sind laut BMF die Kosten des gesamten betrieblich oder beruflich genutzten Bereiches in das Verhältnis zur Gesamtfläche aller Räume des Gebäudes (einschließlich aller Nebenräume) zu setzen.

❗Nach dem BFH-Urteil vom 11.11.2014 ist bei der Gesamtwohnfläche nur der betrieblich oder beruflich genutzte Nebenraum - nicht hingegen die privat genutzten Nebenräume - zu berücksichtigen. Sofern sich dieser feine Unterschied steuerlich positiv auswirkt, kann man sich auf dieses BFH-Urteil berufen.

  • Rz. 9: Für die Berücksichtigung eines häuslichen Arbeitszimmers ist erforderlich, dass der Steuerpflichtige „tätig“ wird. Der alleinige Bezug von Versorgungsbezügen genügt nicht.
  • Rz. 13: Für zwei weitere Berufsgruppen wurde festgelegt, dass die Nutzung eines Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt deren betrieblicher oder beruflicher Tätigkeit bildet:
    • Hochschullehrer
    • Richter
  • Rz. 17: Nach weiteren durch die Rechtsprechung bestätigten Beispielen steht kein "anderer" Arbeitsplatz zur Verfügung, wenn
    • dieser wegen Gesundheitsgefahr nicht nutzbar ist,
    • es sich um einen Poolarbeitsplatz handelt, den sich acht Großbetriebsprüfer teilen oder
    • der Arbeitsplatz nicht uneingeschränkt genutzt werden kann (im vorliegenden Fall ein Praxisraum eines Selbständigen, den dieser nur in den Abendstunden oder an Wochenenden nutzen konnte).
  • Rz. 21: Bei gemeinsamer Nutzung eines Arbeitszimmers (bspw. durch Ehegatten oder Lebenspartner) ist für jeden Nutzer separat zu prüfen, ob sein Anteil und die von ihm getragenen Kosten
    • unbegrenzt,
    • bis zum Höchstbetrag von 1.250 Euro oder
    • gar nicht geltend gemacht werden können. Dies gilt unabhägig davon, ob es sich bei den Steuerpflichtigen um Mieter (Mietaufwand etc.) oder Miteigentümer (AfA, Schuldzinsen etc.) handelt.
  • Rz. 24: Klarstellung, dass die Begrenzung des Werbungskostenabzugs für ein Arbeitszimmer auch für den Sonderausgabenabzug im Rahmen einer erstmaligen Berufsausbildung bzw. eines Erststudiums steuerlich gilt.
  • Rz. 24a: Bei Nichtbeschäftigung (Erwerbslosigkeit, Mutterschutz, Elternzeit) können die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer gelten die Regeln zu vorweggenommenen Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben.
  • Rz. 24b: Zur Überlassung eines Büroraums an einen Arbeitgeber vgl. Kriterien im BMF-Schreiben vom 13.12.2005:
    • Bei vorrangigem Interesse des Arbeitgebers: Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
      Folge: Voller Werbungskostenabzug
    • Andernfalls: Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
      Folge: Begrenzung des Werbungskostenabzugs durch Arbeitszimmerregelung

    ❗Laut BFH-Urteil vom 17.04.2018 (IX R 9/17) kann die Einkunftserzielungsabsicht des Arbeitnehmers aus der Vermietung nicht typisierend unterstellt werden. Vielmehr ist diese bei anhaltenden Werbungskostenüberschüssen anhand einer Überschussprognose festzustellen.

  • Rz. 24b: Zur Überlassung eines Büroraums an einen Auftraggeber vgl. BFH-Urteil vom 13.12.2016:
    • Subsidiaritätsprinzip des § 21 Abs. 3 EStG: Einkünfte aus Gewerbebetrieb bzw. ggf. aus selbständiger Tätigkeit
      Folge: Begrenzung des Werbungskostenabzugs durch Arbeitszimmerregelung

Weiterhin wurde die bisherige Verwaltungsauffassung um gleichlautend ergangene Entscheidungen des BFH ergänzt.

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