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44-Euro-Freigrenze: Sachbezüge in Form von Gutscheinen und Guthabenkarten ab 1. Januar 2020

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44-Euro-Freigrenze: Sachbezüge in Form von Gutscheinen und Guthabenkarten ab 1. Januar 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

vermutlich haben Sie schon in den Nachrichten davon gehört, dass der Gesetzgeber mit dem Jahressteuergesetz 2019 ab 1. Januar 2020 eine Einschränkung von Sachbezügen in Form von Waren- oder Dienstleistungsgutscheinen umgesetzt hat. Wir möchten Sie hierüber kurz informieren.

Laut der Neuregelung werden zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen, sogenannte „Geldsurrogate“ und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten, nicht mehr als Sachbezüge anerkannt; sie zählen künftig als Geld. Von der Neuregelung sollen jedoch bestimmte Gutscheine und Geldkarten ausgenommen sein, sofern diese zusätzlich zum ohnehin gewährten Arbeitslohngewährt werden.

1. Selbst erstellte Warengutscheine des Arbeitgebers

Ab 1. Januar 2020 gelten insbesondere selbst erstellte Waren- oder Dienstleistungsgutscheine, bei denen der Arbeitnehmer den entsprechenden Bargeldbetrag monatlich vorab erhält oder auch Vereinbarungen, bei denen der Arbeitnehmer monatlich Rechnungen über Waren oder Dienstleistungen beim Arbeitgeber gegen Kostenerstattung einreichen kann, als Geld und nicht mehr als Sachbezüge. Daher kann die 44-Euro-Freigrenze ab Anfang des Jahres 2020 nicht mehr genutzt werden.Dies hat zur Folge, dass die Vorteile ab 2020 für den Arbeitnehmer in voller Höhe lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig behandelt werden müssen – auch wenn die 44-Euro-Freigrenze nicht überschritten wird. Ihre Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung steigen ebenfalls.

Ob dies auch für Gutscheine gilt, die nicht auf einen Geldbetrag, sondern auf eine konkrete Ware oder Dienstleistung (bspw. ein Haarschnitt oder ein Tankgutschein über 30 Liter Kraftstoff) lauten, ist derzeit leider noch nicht eindeutig geklärt. Anfang des Jahres 2020 wird mit einem neuen Anwendungsschreiben gerechnet, welches in dieser Hinsicht vielleicht Klarheit bringen wird.

2. Von Fremdanbietern erworbene Gutscheine

Gutscheine, die Sie als Arbeitgeber von anderen Unternehmern erwerben, um sie Ihren Arbeitnehmern zusätzlich zum ohnehin gewährten Arbeitslohn für private Zwecke zu überlassen, werden aller Voraussicht nach weiterhin von der Finanzverwaltung als Sachbezüge anerkannt. Solche Gutscheine können beispielsweise bezahlte Einkaufsgutscheine eines Kaufhauses oder Baumarktes, eine 10er-Karte für das örtliche Fitnessstudio, die CityCard und ähnliche Gutscheinsysteme von Städten oder Verkaufsgemeinschaften zum freien Bezug von Waren oder Dienstleistungen sein. Für diese kann die 44-Euro-Freigrenze somit auch nach dem Jahr 2019 genutzt werden, so dass die Vorteile nicht lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig sind, sofern diese zusätzlich zum ohnehin gewährten Arbeitslohn gewährt werden.

3. Firmenkreditkarten für private Zwecke des Arbeitnehmers

Verhindert wird durch die Neuregelung ab 1. Januar 2020 auch, dass bei der Abrechnung einer Firmenkreditkarte (auch in Form eine Tankkarte etc.) die damit getätigten privaten Zahlungen des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber einfach mit der 44-Euro-Freigrenze verrechnet werden können. Sollten Sie an Ihre Arbeitnehmer daher bereits eine Firmenkreditkarte überlassen haben, die diese auch für private Zwecke einsetzen dürfen, können Sie die 44-Euro-Freigrenze ab 1. Januar 2020 nicht mehr bei der monatlichen Abrechnung verrechnen. Denn ab 2020 handelt es sich dabei nicht mehr um Sachbezüge, sondern um Geldzahlungen (sogenannte Geldsurrogate). In diesem Fall sind die Vorteile ab 2020 für den Arbeitnehmer in voller Höhe lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig – auch wenn die 44-Euro-Freigrenze nicht überschritten wird. Ihre Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung steigen ebenfalls.

4. Guthabenkarten von Prepaid-Anbietern

Auch Geld- bzw. Guthabenkarten von Prepaid-Anbietern sollen unter bestimmten weiteren Voraussetzungen von der Neuregelung ausgenommen sein, sofern diese zusätzlich zum ohnehin gewährten Arbeitslohn gewährt werden. Dabei handelt es sich insbesondere um die sogenannten Controlled Loop Karten der großen deutschen Anbieter von Prepaid-Kartenlösungen, wie beispielsweise SPENDIT, givve, Edenred, Sodexo u.s.w.. Nach Auskunft von SPENDIT befinden sich die betroffenen Prepaid-Anbieter derzeit in enger Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium. Beispielsweise hat SPENDIT bereits erste Maßnahmen ergriffen, um die nötigen Anforderungen ab dem 1. Januar 2020 zu erfüllen. Im Ergebnis werden bestimmte Funktionen dieser Karten künftig nicht mehr möglich sein. Blockiert werden künftig Barzahlungen, PayPal- und IBAN-Überweisungen, der Erwerb von Devisen und die Wandlungsfunktion in Geld. Außerdem wird die Karte bei bestimmten Unternehmen mit Hauptsitz im Ausland nicht mehr einsetzbar sein. Betroffen sein sollen beispielsweise auch prominente Anbieter, wie Amazon, Eventim, Lieferando oder Spotify.

5. Handlungsempfehlung für das Jahr 2020

Sofern die bisher von Ihnen eingesetzten Gutscheine oder Karten zur Nutzung der 44-Euro-Freigrenze ab dem 1. Januar 2020 nicht mehr anerkannt werden, hat dies zur Folge, dass die Vorteile ab 2020 für den Arbeitnehmer in voller Höhe lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig behandelt werden müssen – auch wenn die 44-Euro-Freigrenze nicht überschritten wird. Ihre Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung steigen ebenfalls.

Achtung: Vorsicht ist insbesondere geboten, wenn bei einem Mini-Job neben dem Lohn von 450 Euro auch nach 2019 noch ein zusätzlicher Vorteil gewährt wird, der nicht mehr als Sachbezug anerkannt wird, weil dieser dann als reguläre Geldleistung einzuordnen ist und damit zur Sozialversicherungspflicht des gesamten Beschäftigungsverhältnisses (Midi-Job) führt.

Sofern Sie als Arbeitgeber alternativ die Steuern und Abgaben für Ihren Arbeitnehmer übernehmen wollen, würde ein zusätzlicher Nettolohn des Arbeitnehmers von 44 Euro Ihrerseits ungefähr zu einer Kostenbelastung von circa 85 Euro führen. Sollte kein zivilrechtlicher Anspruch Ihres Arbeitnehmers bestehen, könnten Sie diesen Vorteil in Absprache mit dem Mitarbeiter ab 2020 gegebenenfalls auch gänzlich einstellen. Alternativ können Sie auch auf die ab 2020 anerkannten Form von Gutscheinen oder Geld-/Guthabenkarten zurückgreifen (siehe Gliederungspunkte 2. und 4.).

Da dieses Schreiben sicherlich viele, aber bei weitem nicht alle Fragen zu diesem Thema beantworten kann, stehen wir Ihnen für weitere Fragen gern zur Verfügung.


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